Persönlicher Brief von Sigrid Koerner an den Besitzer des Objektes Dorfstrasse 4, 01156 Dresden

 Lieber Klaus,

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vielleicht ist die Cyberattacke , von der wir beide betroffen sind, ein Wink des Schicksals, es noch einmal miteinander zu versuchen und eine solide, einvernehmliche und nicht haßgeprägte Lösung unseres Konfliktes zu finden.

Ich schreibe dir diese Zeilen mit dem Ziel, mich an dich als vernünftigen, erwachsenen, klugen und ehrbaren Menschen zu wenden, der auch eine gewisse Emotionalität, Sensibilität und ein Verständnis für die Andersartigkeit und das Verhalten anderer Menschen besitzt.

Leider sind unsere beiden Lebensentwürfe meilenweit voneinander entfernt.

Du, ein fleißiger, achtbarer, rational denkender und erfolgreicher Geschäftsmann.

Ich, eine emotionale, hochsensible Träumerin und Idealistin mit wenig Verständnis für Bürokratie und Korrektness und wenig Erfolg.

Die Gegensätze sind zu krass, als dass wir uns augenblicklich ineinander verlieben konnten.

Du hast uns damals mit dem Kauf des Anwesens sehr geholfen, uns vor einer Situation bewahrt, in der wir uns jetzt gerade befinden. Welch ein Kuriosum.

Ich glaube, das hat keiner von uns gewollt.

Sicherlich waren unsere Interessenlagen zu unterschiedlich, und wir haben es versäumt, ehrlich und offen darüber zu sprechen. Alsbald endeten unsere Kommunikationsversuche in beidseitigen Mißverständnissen, Beleidigungen und Verletzungen.

Dafür möchte ich mich noch einmal bei dir entschuldigen.

Bei Angriffen und Verletzungen reagiere ich zu spontan emotional und bin dann nicht in der Lage, meinen Verstand zu benutzen.

Ich bitte dich, meinen Charakter zu respektieren und ihn nicht als dir feindlich gesinnt, zu interpretieren. Ich bin auch nur ein Mensch.

Sicherlich bist du jetzt in der Position, mir meine Zeilen um die Ohren zu hauen und jegliche Kommunikation mit mir abzulehnen. Aber ich hoffe, dass dein Zorn und dein Haß noch nicht so groß sind, dass es keine vernünftige Lösung mehr geben kann.

Ohne dich langweilen zu wollen, möchte ich jetzt doch ein wenig weiter ausholen.

Vieles wirst du schon wissen, einiges vielleicht auch nicht.

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Nach der Zeit des Kunstschlosses Hermsdorf und dem dortigen Rauswurf nach drei erfolgreichen Jahren durch die neu zusammengesetzte Gemeinde Ottendorf-Okrilla, die nun der Meinung war, das Schloß lieber zu veräußern als es in den Händen von armen, idealistischen Kreativen zu belassen.

Die nächsten fünf Jahre verharrten wir in Stagnation, Hilflosigkeit, Aussichtslosigkeit und Depressionen. Ich habe damals mehrfach versucht, mir das Leben zu nehmen. Bis ich schließlich für ein halbes Jahr in der Arnsdorfer Depressionsstation wieder an das Leben herangeführt wurde.

Wir gründeten einen neuen Verein mit der Absicht, Ausschau nach einem geeigneten Objekt zu halten, um ein neues Projekt zu beginnen. Wir hatten den Mut, den Elan und den Idealismus dazu.

2007 war es dann soweit. Wir fanden den altehrwürdigen Dreiseitenhof in Gohlis, der idyllisch und einzigartig gelegen ist. Ein Kunsthof in ruhiger Dorflage, eingerahmt von der sehr nahen Elbe und große unberührte Elbauen, durch die sich der Elbradweg schlängelt und der eine gute Anbindung zum Zentrum und damit beste Gelegenheit bietet, sich der Hektik und dem Stress der Großstadt entziehen zu können, sollte eine Lücke zwischen den kulturellen Angeboten der Städte Dresden und Meißen mit einem außerordentlich vielseitigen Programm nationaler und internationaler Künstler füllen.

Noch am Ende des gleichen Jahres wurde ein Kaufvertrag abgeschlossen. Im Januar 2008 erfolgte die Übergabe des Objektes und des Anwesens. Leider bekamen wir als nicht bonitäre Künstler kein Darlehn für dessen Erwerb. Es gelang uns aber, Karsten Iohn, einer unserer besten Freunde zu gewinnen, die Finanzierung dieses Projektes zu übernehmen. Wir gründeten eine GbR und waren zu dritt Eigentümer und Projektentwickler und unser gemeinnütziger Verein Träger des Projektes kunsthofgohlis. In den Jahren danach von 2008 bis zur Flut 2013 hatten wir 414 Veranstaltungen an den Wochenenden und Feiertagen und einige Feste und Feiern.

Es gab Konzerte mit nationalen und internationalen Künstlern, Lesungen, Themen-Brunch, Swing und Jazz am Sonntag, Ausstellungen, Vernissagen, Tage des offenen Ateliers, Pfingstgarten, Weihnachtsmärkte, Sommerfeste, Sommernachtsbälle, khg- Geburtstage, Jahresendsessions, Silvesterfeiern und Neujahrsbrunch. Natürlich auch Firmen- und Familienfeiern, Meetings und Diskussionsabende. Dazu gab es immer eine gastronomische Versorgung der Veranstaltungen und Feiern mit einfacher, aber kreativer Küche mit wechselndem Angebot und im Sommer auch einen Biergarten.

Sicherlich haben wir in dieser Zeit auch viele Fehler gemacht, gerade im Umgang mit der Bürokratie und dem Vertrauen in Menschen, die uns nicht wohl gesonnen waren und ihre eigenen Interessen auf unsere Kosten durchsetzten.

Dann kam im Juni 2013 völlig überraschend die Flut und hat diesen ganzen Landstrich in einen riesengroßen See verwandelt. Es war unheimlich und verheerend. Unser Anwesen stand 1,80m unter Wasser. Nach Abzug der Wassermassen, die eine Woche lang katastrophale Verwüstungen hinterließen, wurde uns erst einmal das Ausmaß dieser Jahrhundertflut bewußt.

Das Anwesen glich einem Schlachtfeld nach einem Krieg.

Danach begann die Zeit des Aufräumen und der Flutschadenbeseitigung. Es waren unzählige freiwillige Helfer im Einsatz und leisteten insgesamt 11.396 Stunden ehrenamtliche Hilfe am Wiederaufbau. Das entspricht einer Geldwerten Leistung von 284.000€.

Im Oktober 2013 konnten wir dann Anträge bei der SAB in Dresden auf Gewährung von Zuwendungen nach Hochwasserschäden stellen. Im Dezember 2013 kam der Zuwendungsbescheid in Höhe von 222.000€.

Da Karsten Iohn als Bauingenieur ein Kenner der Materie ist, allerdings durch seine Bauleitertätigkeit in Rumänien nicht für die Sanierung hier an Ort und Stelle zur Verfügung stand, übernahm in seinem Namen Herr Steinerbrunner die Bauleitung. Ab diesem Zeitpunkt kam es zu vielen Unregelmäßigkeiten bei den Handwerksfirmen und deren Abrechnung. Um einen Schaden von dem Objekt abzuwenden, kam es im Mai 2014 zu einem Versuch der Einigung durch uns.

Kurzzeitig wurde dem Bauleiter gekündigt und nach diversen internen Absprachen zwischen ihm und Karsten Iohn kam es dann zum Widerruf sämtlicher Vollmachten für uns und zum Wiedereinsatz Herrn Steinerbrunner als Bauleiter. Daraufhin erstatteten wir Anzeige bei der Polizei, dem Regierungspräsidium, der SAB und Oberstaatsanwalt Christian Avenarius wegen Flutmittelbetruges mit einer Vielzahl von Beweismitteln. Daraufhin folgte die fristlose Kündigung sämtlicher Miet- und Pachtverträge für uns privat und dem Verein.

Im November 2014 übernahm nun Rechtsanwalt Andreas Schreier das Mandat vor dem Landgericht Dresden. Nach diversen Terminverlegungen kam es am 21.Juli 2015 zur mündlichen Verhandlung am Amtsgericht Dresden. Das Ergebnis war ein Vergleich zwischen beiden Parteien.

Am 11. September 2015 kam es zum Widerruf des Vergleiches. Am 22.12.2015 ergab die mündliche Verhandlung beim Landgericht Dresden einen Vergleich mit dem Ergebnis, dass ein Entwurf des Kaufvertrages eines Notariats vorlag. Am 25.Januar 2016 kam es dann zur Beurkundung des Kaufvertrages. Am 17. April 2016 wurde ein erstes Treffen des Freundeskreises kunsthofgohlis von Birgit und Thomas Kirsch initiiert. Es waren 17 Freunde des Kunsthofes anwesend. Einen Tag später trafen wir uns mit RA Schreier um mit dir über die Zukunft des Kunsthofes und unserer Idee einer Stiftungsgründung zu sprechen. Am 22. Mai kam es dann zu einem erneuten Freundeskreistreffen. Am 2. August hast du uns gemahnt und uns die Kündigung angedroht. Am 18. September wurde noch einmal im Freundeskreis über die Zukunft des khg diskutiert. Es waren 14 Freunde anwesend. Am 12. Oktober hast du uns dann die fristlose Kündigung der Mietverträge überbracht und am 31. Januar 2017 die Klage auf Räumung durch deinen Anwalt, RA Reschke, eingereicht. Das weitere Prozedere muß ich hier nicht mehr erläutern. Das kennst du besser als wir.

Unser Pachtvertrag zwischen Karsten Iohn und dem SALVE e.V. sah vor, dass symbolisch eine Miete vereinbart wurde, diese aber mit unseren Investitionen verrechnet wird. Sicherlich sind wir 2008 davon ausgegangen, dass sich nach einigen erfolgreichen Jahren auch einmal ein Zeitpunkt einstellt, an dem der Kunsthof auch Gewinn erzielen wird. Doch dann kam die Flut, und wir mußten wieder bei Null beginnen. Seitdem haben wir sehr viel Geld in das Projekt und auch das Objekt gesteckt; alles was wir hier über die Gastronomie eingenommen wurde, Uwes monatliche HARTZ IV - Zuwendungen und meine kleine Erwerbsunfähigkeitsrente.

Es wurden bisher investiert: 

284.900 € Geldwerte Leistungen bei der Beseitigung der Flutschäden

  15.000 € Vereinshelfer Kultur

  16.000 € sozialer Dienst des Landgerichtes Dresden

    6.000 € Darlehn für die Forderung der Enso nach Veruntreuung dieses Geldes durch Karsten Iohn

    2.968 € für Glasreparaturen durch Flutschaden

       347 € für die Kaminreparatur

    7.406 € Ausgaben für Bau und Haus laut Quittungen

  10.000 € für die Herstellung und den Einbau der großen Glasfront

  30.000 € für die Herstellung und Errichtung und Installation eines Wintergartens

    4.560 € Kosten und Ausgaben 2013/ 14 für das Anwesen

14.115 € Kosten und Ausgaben 2015 für das Anwesen

14.390 € Kosten und Ausgaben 2016 für das Anwesen

  9.763 € Kosten und Ausgaben 2017 für das Anwesen

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Dazu kommen noch die Kosten für den Entwurf, die Vorbereitung, das Anlegen, die Bewirtschaftung, die Entwicklung und die Pflege eines „Künstlergartens“ auf ca. 2500m2 Fläche mit botanischen Raritäten, exotischen und wertvollen Gehölzen, Sträuchern, Gräsern, Stauden und Blütenpflanzen in Höhe von mindestens 150.000 €.

Es sind nicht nur die materiellen und finanziellen Investitionen, die durch uns getätigt wurden, die schmerzen. Nein, wir haben unsere ganze Kraft, unsere Fantasie und Kreativität, unsere Liebe, unsere Gefühle und unsere Seele, viel Idealismus und viel Zeit in den Aufbau des kunsthofgohlis 

eingebracht.

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In den 10 Jahren seines erfolgreichen Bestehens hat sich der kunsthofgohlis zu einer einzigartigen Kunst- und Kultureinrichtung und zu einem Treffpunkt aller Generationen entwickelt. Die vielfältigen  Aktivitäten reichen über Konzerte, Lesungen, Tanz, Theater, Kabarett, Lyrik in den Bäumen, Bilderwelten, Skulpturen, Fotografie, Spielabende, Familienfeiern, Sommerfeste, Weihnachtsmarkt, Klassentreffen bis zu Vorträgen, Sessions, Musiker- Brunch, dem Club-Kinoabend oder Yoga. Auch bietet er eine gute Atmosphäre für vorbehaltlose, persönliche Gespräche und Diskussionen in politisch bewegten Zeiten und ist daher auch unverzichtbar für die Entwicklung von Verständnis und Akzeptanz untereinander und dem Austausch von vielfältigen Meinungen.

Sicherlich trägt auch das individuelle, außergewöhnlich und liebevoll gestaltete Ambiente dazu bei, dass jeder Besucher, Gast oder Freund das Gefühl verspürt, in ein ganz besonderes Refugium zu kommen und sich sofort wohl und angenommen fühlt.

Das vielfältige und qualitativ hochwertige Angebot an Kunst und Kultur, die kleinen kulinarischen Überraschungen und Genüsse, der botanisch wertvolle Garten der Sinne mit seinen exotischen Pflanzen und den versteckten kleinen Oasen, oder einfach nur die offene und sehr herzliche Art im kunsthofgohlis hinterlassen bei jedem, ob Künstler, Freund oder Gast, Mensch oder Tier, ein Gefühl der Vertrautheit, der Geborgenheit und des Verständnisses füreinander. Man kann den Alltag abstreifen wie einen Mantel und eintauchen in eine familiäre, tolerante, gelassene und gemeinschaftliche Atmosphäre, die alle Sinne berührt und belebt und sich anfühlt wie emotionale Streicheleinheiten für die Seele.

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„Wenn du vergnügt sein willst, umgib dich mit Freunden;

wenn du glücklich sein willst, umgib dich mit Blumen.“        INDISCH

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Kultur ist nicht das, was als schöner Schein bezeichnet wird. Kultur ist eine Lebensform, ein Lebensprozess. Kultur bringt Kommunikationsebenen hervor, schafft Beziehungsgeflechte zu Menschen und ihrer Umwelt, zu ihrer Natur, zu ihrer Gestaltung von Städten und Landschaften, weist auf die Zukunft hin - und das immer mit dem Blick auf die Vergangenheit.

Kultur ist Lebensform, Gestaltung und Aneignung. Kultur besitzt, wer das Fremde mit dem Herzen versteht, ist Erweiterung unsres Horizontes und die Kraft der Seele.

Für die Kunstschaffenden im kunsthofgohlis ist Kunst eine Sprache der Empfindung, wo es keinen Ausdruck mit Worten mehr gibt, ist sie eine Leidenschaft und eine der Menschheit zu ihrem geistigen Bestehen notwendige Nahrung. Malerei, Skulptur, Literatur und Musik drücken alle Gefühle der menschlichen Seele der Natur gegenüber aus. Kunst enthüllt den Menschen den Sinn des Lebens, klärt sie über ihre Bestimmung auf, läßt sie in ihrer Existenz zurechtfinden und sorgt dafür, dass Menschlichkeit und Wahrheit fortbestehen. Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sie macht sichtbar. Sie ist eine Sprache, die keinen Dolmetscher benötigt, denn die Sprache der Kunst wird überall verstanden. Ein Maler kann eine Sonne in einen gelben Fleck verwandeln, aber dank seiner Kunst und Intelligenz einen gelben Fleck auch in eine Sonne verzaubern.

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Der Perfektionist Bach hatte erkannt, dass alles Vollkommene langweilig ist. So wie Bach Schattenseiten hatte, muß auch Kunst bisweilen experimentell und „schmutzig“ sein.

Diese Eigenschaft wird heute gern vergessen. Wenn Kunst um der besseren Verkäuflichkeit Willen auf den Massengeschmack abzielt, strebt sie inhaltlich das Mittelmaß an.

Kunst ist nicht Konsens, Kunst ist Wagnis.

Die meisten Menschen aber schätzen das Bekannte mehr als das Gewagte.

Das ist der Widerspruch, den die Kunst aushalten muß - aber auch das Publikum.

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Seit der fristlosen Kündigung und dem Antrag auf Zwangsräumung haben wir versucht, in alle Richtungen Rettungsmaßnahmen zu starten.

Noch Ende vorigen Jahres ist es uns gelungen, eine Stiftung zu gründen nur mit dem Ziel des Erwerbes und den Erhalt des Anwesens als Fundament und die Entfaltung und die Entwicklung des kunsthofgohlis als Domizil,,, Oase oder Refugium zur Durchführung kultureller und künstlerischer Veranstaltungen, Ausstellungen, Konzerte, Vorträge und Aufführungen in vielfältigen Formen und zur Förderung von Künstlern und kreativ tätigen Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Religion und ihres Glaubens oder ihres Alters und ihres Geschlechtes.

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Bitte siehe die Anlage der Genehmigung durch das Finanzamt und den Vertrag mit der Bürgerstiftung Dresden.

Wir haben nach einem erfolgreichen Aufruf und die Werbung für unsere Stiftung eine stattliche Anzahl von Zuwendungen bekommen.

Auf Grund dessen haben wir die Zusage der Bürgerstiftung, die fehlenden Mittel durch ein Darlehn von ihnen zu vervollständigen.

Ich habe auch einen Makler beauftragt, mein Elternhaus zu verkaufen.

Den Erlös werde ich in die Stiftung geben, um diese mit dem nötigen Kapital auszustatten und zu vervollständigen. Siehe das Schreiben des Maklers.

Damit wäre das Darlehn nicht zu hoch und für uns zu erwirtschaften.

Außerdem wurde die Stiftung kunsthofgohlis, als gemeinnützig anerkannt, als Eigentümer auch in der Position, Fördermittel für Projektförderung und institutionelle Förderung zu bekommen.

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Weiterhin haben wir eine Petition für den Erhalt des Kunsthofes ins Leben gerufen, die schon über 1.000 Unterschriften beinhaltet. Siehe auch diese Anlage.

Außerdem äußern sich auf der web- Seite von www.kunsthofgohlis.de viele Künstler zum Erhalt des Projektes in diesem Anwesen.

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Vielleicht kann ich dir hier noch etwas mehr über mich persönlich schreiben:

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Du sollst mich nicht lieben, mich auch nicht unbedingt verstehen, aber akzeptieren, dass ich ein Mensch mit Gefühlen, Sorgen, Ängsten, Nöte und  auch Hoffnungen, aber auch Fehler mache und nicht unbedingt ein einfacher Zeitgeist bin.

Als ich sechs Jahre alt war, starb meine Mutter. Ich verlor damit nicht nur sie, sondern gleichzeitig auch meinen Vater, der sich seiner Trauer durch eine Tätigkeit auf Montage mit viel Verantwortung entzog. Ich wuchs in meinem Elternhaus also bei meinen Großeltern auf.

Als ich 13 war, bekam ich eine Stiefmutter, die ihrem Namen alle Ehre machte. Ich wurde gehaßt, gequält und bekam meine ersten Nervenzusammenbrüche. Sie war Buchhalterin und kam mit meinen musischen, freiheitsliebenden Veranlagungen, die ich wohl von meiner Mutter geerbt hatte, nicht zu recht.

Ich war eine sehr ehrgeizige Schülerin, war immer Klassenbeste und wollte mir durch Leistung die Liebe, Zuneigung, Achtung, Anerkennung und auch Respekt verdienen. Es ist mir auch gelungen, nur bei meinem eigentlichen Ziel, meinem Vater, sollte es nicht funktionieren. Eine lebenslange Ablehnung durch ihn war mein Preis. Selbst nach seinem Tod konnte ich damit nicht abschließen. Auch heute noch leide ich sehr unter dem Liebesentzug, versuche immer durch mein Harmoniebedürfnis einen Weg aus einer Auseinandersetzung zu finden, oder zu verzeihen oder zu vergessen. 

Durch mein Leben zieht sich ein langer, schwieriger Weg voller Verzweiflung, Sorgen, Ängste und Nöte. Ich habe versucht, meinen Kindern eine gute Mutter zu sein und sie für das Leben mit allen Höhen und Tiefen vorzubereiten.

Beide Söhne haben eine akademische Ausbildung und genügend Talent und Veranlagungen, ihren eigenen Weg in ihrem Leben erfolgreich zu gehen.

Mittlerweile habe ich auch eine musisch begabte Enkeltochter, die selbstbewußt und ehrgeizig genug ist, auch ihren Platz im Leben einzunehmen und zu behaupten. In dieser Hinsicht kann ich mich wirklich nicht beklagen.

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Lieber Klaus, und ich meine es damit ehrlich, bitte überdenke noch einmal deine Entscheidung, den kunsthofgohlis zu zerschlagen und uns damit obdachlos und ohne Hoffnung auf eine weitere Perspektive zu machen.

Ich bin zu alt, um noch einmal ein Projekt in diesem Ausmaß zu beginnen.

Einem Neuanfang in eine andere Richtung bin ich nicht gewachsen.

Durch meine lebenslange Depressionserkrankung bin ich stark suizidgefährdet.

Ich bin mir sicher, dass ich mich von einen Rauswurf und den Verlust meiner von mir leidenschaftlich geliebten Arbeit, der Malerei, nicht erholen werde.

Bitte denke in deinem Zorn aber auch an alle andere Menschen, denen der kunsthofgohlis ans Herz gewachsen ist und für sie ein Stück Lebensqualität bedeutet. Für sehr viele Menschen sind wir eine Oase, ein Refugium, ein sinnlicher und emotionaler Teil ihres Lebens.

Bitte, gib uns noch einmal eine Chance und die Möglichkeit, es besser und sorgfältiger zu machen.

Vielleicht können wir die Situation gemeinsam entspannen und wieder einen fairen und freundschaftlichen Umgang miteinander pflegen.

In der Hoffnung, dass wir gemeinsam eine Lösung unseres Konfliktes finden können, bitte ich dich darum, diese Zeilen zu beantworten.

Ich verbleibe mit herzlichen Grüßen

Deine Sigrid 

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Dresden, den 4. Juni 2018